Einige Folgen des Terrors
Frank Isfort am 27. Februar 2024

Was man nicht in Deutschland zu lesen bekommt.
Zum Beispiel, dass die Verbrecher erreicht haben, die Bevölkerung in Panik zu versetzen. In Quito waren riesige Autoschlangen, weil die Menschen die Stadt verlassen wollten. Es fuhren tagelang keine Busse mehr, viele Geschäfte waren oder sind immer noch geschlossen und die größeren Kaufhäuser werden vom Militär bewacht.
Besonders gefährlich ist es an der Küste, speziell in Guayaquil, Manta und Esmeraldas, da wo ich bin.
Und ich sitze mitten drin und bin ein Gefangener des ganzen Chaos. Mein Radius ist die Sonnenschule und der Markt in Atacames, sonst mache ich mich unsichtbar und bleibe in Aguas Frías. Das ist schon recht nervig und irgendwie fühle ich mich gefangen. Ich habe mir meinen Lebensabend auch anders vorgestellt. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft und den Willen habe, irgendwo noch einmal von vorne anzufangen. Solange es in der Sonnenschule für mich noch möglich ist, bleibe ich jedenfalls. Es läuft ja gut hier und für 3 Wochen konnten wir den Kindern einen Ort für den Onlineunterricht anbieten. Auch ist es hier am „Arsch der Welt“ noch ruhig und relativ sicher.
Die nächtliche Ausgangssperre für 60 Tage bringt viele Bars und einige Restaurants in arge Schwierigkeiten. Ein Großteil der Mitarbeiter ist entlassen worden, weil keine Leute mehr kommen. Generell haben viele Geschäfte, Bars und Restaurants aufgegeben, weil es sich nicht mehr lohnt.
Was ich immer mehr höre, ist, dass Leute gekidnappt und gefoltert werden, um an die Geldkarten zu kommen, um die Konten dann zu plündern. Leute werden von Motorrädern geschubst, ausgeraubt und der Verbrecher fährt dann damit davon. Ein Bruder von meinem Freund in Mindo ist, dass in La Concordia mit seinem Auto passiert. 2 Verbrecher haben ihm eine Pistole an den Kopf gehalten, dann durfte er aussteigen, seine Taschen leeren, dann stand er blöd da und alles war weg.

Die ersten Tage, nachdem der Terror neu aufgeflammt ist, hatten viele LKW-Besitzer Angst zu fahren und so fehlte in den Geschäften einiges, was sich aber in Grenzen hielt. Es gab z.B. in ganz Atacames, Esmeraldas und Umgebung keine Hühnchen mehr. Für die Menschen hier ärgerlich, weil Hühnchen für sie ein Grundnahrungsmittel ist. Ich habe für meine hungrigen Mäuler Würstchen und Rindfleisch gekauft, was sie nicht gestört hat, obwohl sie lieber Hühnchen wollten.
Grislyerli war auf dem Weg nach Esmeraldas zur Uni, und der Bus wurde wieder zurückgeschickt. Isabel hat geschrieben, dass sie inmitten von Bombenanschlägen und Schießereien ist und mit anderen in ein Geschäft geflüchtet ist und dort zur Sicherheit eingeschlossen wurde.

Als Schulschluss in der Dschungelschule war, haben etliche Kinder, die kurz vor Atacames wohnen, die Sonnenschule genutzt, um auf Fahrgelegenheiten zu warten. Der Minibus ist nicht mehr gefahren und Motorradtaxis auch nicht mehr. Elizabeth, die in Atacames zur Schule geht, hat mehrfach angerufen und gewarnt, bloß nicht nach Atacames zu fahren. Sie selbst saß in der Schule fest, die vom Militär bewacht wurde. Zu Hause hat sie festgestellt, dass sie Zahnschmerzen hatte, doch auch 2 Tage später hatte noch kein Zahnarzt geöffnet. Ich konnte ihr jedenfalls mit Schmerztabletten aushelfen.
Alle Schulen in Ecuador blieben 3 Wochen geschlossen, die Lehrer haben einen Onlineunterricht eingerichtet und es gab viele Hausaufgaben. Einige Kinder ohne Handy oder Internet haben die Sonnenschule dafür genutzt und einige Kinder, die weiter drinnen im Tal wohnen, wie z.B. Mary, haben öfter in der Sonnenschule geschlafen.
Was mich geärgert hat, war die Verbohrtheit einiger Lehrer, die Kinder vom Unterricht ausgeschlossen haben, die keine Schuluniform beim Onlineunterricht getragen haben.
Ich habe noch 3 Handys für den Onlineunterricht gekauft und vor einem Monat schon einen zweiten Laptop. Da einige Schüler, die unser Angebot nutzen, in dieselbe Klasse gehen, reicht es zum Glück aus.

Die Wochen waren reiner Trubel für mich, den ganzen Tag über Kinder in der Sonnenschule, aber es war auch ganz nett.
Was auch ein komisches und beklemmendes Gefühl ist, sind die vielen Polizisten und Soldaten in der Stadt mit den vielen Kontrollen.